Neue Geschäftsmodelle: Das neue Gesicht der Landwirtschaft

Das Konsumenteninteresse an der Landwirtschaft wandelt sich, Verbraucher haben zunehmend Interesse an landwirtschaftlichen Themen wie Regionalität, Tierschutz und Ursprung der Lebensmittel, sowie Transparenz. 
 
Tranzparenz in der Landwirtschaft
Eine repräsentative Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat ergibt, dass 9 von 10 Verbraucher insbesondere von Vieh- und Nutztierbetrieben Transparenz fordern. Sie sollen dies mithilfe digitaler Technologien möglich machen. Transparenz ist wichtig, denn wir wollen genau wissen, wo unser Essen herkommt. Zwei Drittel sind der Meinung, dass Landwirte digitale Medien nutzen sollten, um Verbrauchern Einblick in ihre Arbeit zu gewähren.
 
„Mithilfe digitaler Medien können Landwirte mit verhältnismäßig wenig Aufwand ein hohes Maß an Transparenz schaffen und den Verbrauchern Einblicke in ihre Arbeit geben“, sagt Andreas Schweikert, Bereichsleiter Landwirtschaft beim Bitkom.
 
Ein Paradebeispiel dazu ist die Initiative „Du bist hier der Chef - die Verbrauchermarke“ von Gründer Nicolas Barthelmé. Mithilfe von kollaborativem Marketing, werden die Kunden in den Kreationsprozess von Produkten miteinbezogen und bekommen Transparenz in Qualität und Regionalität der Produkte sowie das Wohl der Tiere. Wer sich tiefer in die Materie des kollaborativen Marketings einlesen will, kann das hier tun. 
 
Die Verbraucherwünsche von Angebotsseite aus zu ignorieren wäre wirtschaftlich kontraproduktiv, daher ist es für Landwirte besonders wichtig, nun neue Kommunikations- und Direktvermarktungsstrategien zu entwickeln. 
 
Praxis-Talk von Farm & Food 4.0
Farm & Food 4.0 hat gemeinsam mit der Bauernzeitung und Landakademie ein neues Format namens Praxis-Talk entwickelt, dass sich vorrangig an Landwirte wendet. 
Das Thema des ersten Praxis-Talks lautete „Kommunikation unter neuen Vorzeichen: Worüber soll Landwirtschaft reden, wenn es nicht mehr ausreicht, die Welt zu ernähren, sondern sie auch nach Umwelt-, Klima- und Tierschutz gefragt wird?“.
Wir haben euch die wichtigsten fünf Learnings aus dem Praxis-Talk zusammengefasst:

1. Fangt an, selbst zu erzählen: Der Kontakt zwischen Landwirtschaft und Menschen aus Städten und Ballungsgebieten kommt zu kurz. Sie haben keinerlei Bezug zur Landwirtschaft und das kann sich ändern lassen, indem ihr selbst aktiv werdet und die vielfältigen Möglichkeiten der neuen Medien nutzt. Ihr könnt den Kontakt nutzen, um wichtige Einblicke in die Landwirtschaft zu geben. Auf diese Weise können Brücken zwischen Landwirtschaft und den Verbrauchern geschlagen, die Kommunikation vereinfacht und Transparenz gewährleistet werden.
2. Es reicht nicht, Fakten zu vermitteln. Kommunikation benötigt Emotionen: Die reine Kommunikation von Fakten und das Erklären guter landwirtschaftlicher Praxis reicht nicht mehr aus. Verknüpft die Fakten mit Emotionen und Persönlichkeit, die Menschen wollen euch sehen –zeigt ihnen, wer hinter den Betrieben steckt, wie gearbeitet wird, welche Themen im Vordergrund stehen und welche Gründe dies hat. Sprecht über eure Arbeit, die ihr so liebt!
3. Kommuniziert Visionen: Reagiert nicht nur auf die Behauptungen und Kommentare anderer, kommuniziert von euch aus. Eure Visionen sind wichtig, denn aus diesen lassen sich Lösungen entwickeln, die großes Potenzial haben, die Probleme unserer Zeit zu lösen.
4. Austausch schafft Lösungen: Das System Landwirtschaft wird durchaus mal von Außenstehenden kritisiert und auch ihr dürft mal nicht zufrieden mit eurer Arbeit sein. Nutzt den Austausch zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft, legt gemeinsame Ziele fest und erschafft Lösungen für die Unstimmigkeiten und Kritiken.
5. Schafft Raum für Veränderungen: Es ist Zeit, Raum für Veränderungen zu schaffen. Trotz eurer ganzen Anstrengungen bei der Produktion eurer Produkte können Konsumenten im Supermarkt oft nicht mehr sehen, welch Mühe dahintersteckt. Direktvermarktung oder ähnliche Geschäftsmodelle könnten hier eine Lösung sein, die zum einen finanziellen Mehrwert bietet und zum anderen Vertrauen bei den Verbrauchern schafft.

Das vollständige Whitepaper des Praxis-Talk gibt es hier.
 
Zunehmendes Interesse an Regionalität 
Schon 2019 hat sich diese Trendwende angekündigt.
Immer mehr deutsche Konsumenten legen Wert auf die Regionalität ihrer Lebensmittel. Das Konsumbarometer 2019 von Consors Finanz ergibt, dass 95 % der Befragten heimischen, regional hergestellten Erzeugnissen großes Vertrauen entgegenbringen.
 
Gründe dafür sind der Umweltschutz, die Unterstützung der regionalen und lokalen Wirtschaft, Arbeitsplatzsicherung und bei 89 Prozent der deutschen Verbraucher die bessere Qualität der Produkte.
Und auch 2020 steht die Regionalität von Lebensmitteln deutlich im Fokus, wie der BMEL-Ernährungsreport 2020
des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Meinungsforschungsinstitut forsa nachweist. 
Jeder Dritte Befragte (39 Prozent) gibt an, dass die Landwirtschaft für sie in der Corona-Krise an Bedeutung gewonnen hat, bei Jugendlichen sind es sogar 47 %. Darüber hinaus wollen 83% der befragten Verbraucher*innen verstärkt auf saisonale Produkte mit kurzen Transportwegen zurückgreifen und damit die Landwirtschaft in ihrer Region unterstützen.
 
Die Kommunikation mit Landwirten und die Tranzparenz über ihre Arbeit spielt eine immer größere Rolle bei Konsumenten, weil nur noch wenige von ihnen im direkten Kontakt zu den Menschen stehen, die für ihre Nahrung sorgen. Durch einfache Maßnahmen können Landwirte Verbrauchererwartungen kennenlernen, sich mit Konsumenten austauschen und ihre Produktionsweise und Erzeugnisse transparent machen.
 

Geschrieben von

Lea Sustersic

Foodhub NRW

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