GLP-1 im Supermarkt: Wie der Handel reagiert

GLP-1-Medikamente zur Gewichtsabnahme verändern nicht nur das Essverhalten vieler Menschen, sondern zunehmend auch das Angebot im Lebensmitteleinzelhandel. Mehrere große britische Supermärkte haben in den letzten Monaten eigene Sortimente eingeführt, die gezielt auf Konsument:innen zugeschnitten sind, die durch GLP-1-Medikamente weniger Hunger haben und kleinere Portionen bevorzugen. Dazu zählen unter anderem Co-op, Asda, Morrisons, Marks & Spencer, Iceland und Ocado.

Was dabei auffällt: „GLP-1-freundlich“ ist kein klar definierter Begriff. Die angebotenen Produkte unterscheiden sich stark – sowohl in Portionsgröße als auch in der ernährungsphysiologischen Ausrichtung. Während einige Händler sehr kleine Mahlzeiten von rund 250 Gramm anbieten, setzen andere eher auf klassische Gerichte in reduzierter Portionsgröße. Häufig werden Protein- oder Ballaststoffgehalte besonders hervorgehoben, allerdings ohne einheitliche Kriterien.

In der Praxis zeigt sich, wie unterschiedlich Supermärkte an das Thema herangehen. Asda bietet beispielsweise sogenannte „Protein Power Pots“ an – preisgünstige Fertiggerichte mit hohem Proteingehalt, moderaten Kalorienwerten und einem festen Anteil an Obst oder Gemüse. Morrisons setzt mit seiner „Small & Balanced“-Reihe auf vertraute Hausmannskost wie Cottage Pie, jedoch in kleineren Portionen. Co-op wiederum vermarktet Mini-Meals unter dem Label „Good Fuel“, bei denen vor allem der Ballaststoffgehalt betont wird.

Marks & Spencer verfolgt einen etwas anderen Ansatz und spricht von „nährstoffdichten“ Produkten. Die entsprechende Range umfasst Salate, Snacks und Mahlzeiten, bei denen Mikronährstoffe und hochwertige Zutaten im Vordergrund stehen. Iceland konzentriert sich im Tiefkühlbereich auf proteinreiche und kalorienbewusste Gerichte, unter anderem aus bestehenden Abnehm- und Fitness-Sortimenten. Ocado bündelt passende Produkte in einer eigenen „Weight Management“-Sektion – darunter sehr kleine Fleischportionen sowie protein- und ballaststoffbetonte Gerichte mit begrenztem Kaloriengehalt.

Ernährungsfachleute sehen diese Entwicklungen grundsätzlich positiv, weisen aber auch auf Schwächen hin. Der Fokus vieler Produkte liegt stark auf Portionsverkleinerung und hohem Proteingehalt. Das allein reicht jedoch nicht aus, denn Menschen, die durch GLP-1-Medikamente weniger essen, müssen ihren Nährstoffbedarf weiterhin decken. Entscheidend sind daher Lebensmittel, die nicht nur wenig Kalorien liefern, sondern gleichzeitig reich an Gemüse, Vollkorn, essenziellen Fettsäuren und Mikronährstoffen sind.

Insgesamt zeigt sich: Der Handel reagiert schnell und sehr praktisch auf den GLP-1-Trend – mit konkreten Produkten im Regal statt rein theoretischer Ernährungskonzepte. Gleichzeitig ist das Angebot noch uneinheitlich und oft stark marketinggetrieben. Langfristig dürfte sich durchsetzen, was wirklich alltagstauglich ist: kleinere, gut sättigende Mahlzeiten mit echtem Nährwert, die Verbraucher:innen Orientierung geben und mehr bieten als nur ein neues Label. Zum Artikel.



 

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