COVID-19 und die Lüge von der Digitalisierung der KMUs

Bildung und öffentliche Verwaltung sind die beiden Bereiche, deren geringer Digitalisierungsgrad in den Medien das Thema der Stunde ist. Unternehmen hingegen haben von den Digitalisierungseffekten der Pandemie profitiert, so der allgemeine Tenor. Microsoft CEO Satya Nadella hat im April letzten Jahres medienwirksam verkündet, dass in den ersten zwei Monate der Pandemie die digitale Transformation der Unternehmen einen Quantensprung gemacht habe, der sonst zwei Jahre gedauert hätte. Eine McKinsey Studie von Juli 2020 spricht sogar von Digitalisierungseffekten die bis zu sieben Jahren Fortschritt gebracht hätten. Also alles in Butter? Eine aktuelle Studie von Sortlist warnt: der Mittelstand in Deutschland kann ein großer Verlierer der aktuellen Krise werden.
 
Sortlist befragte in der Studie „COVID-19 & the digitalisation of European SMBs“ Ende 2020 fast 500 Inhaber und Geschäftsführer von kleinen und mittelständischen Unternehmen in ganz Europa, darunter auch Deutschland, wie sich die Pandemie auf ihre Digitalisierung auswirkt.
 
Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Mehrheit der KMU-Inhaber und -Geschäftsführer sagt, dass COVID-19 die Digitalisierung ihres Unternehmens nicht beschleunigt hat
  • Fehlendes Budget wird als Haupthindernis für die Beschleunigung der Digitalisierung gesehen
  • Die Zufriedenheit mit der staatlichen Unterstützung korreliert mit dem Stand der Digitalisierung
  • Mehrheitliche Digitalisierungsbemühungen nur in Spanien

Mehrheit der KMU sieht keine beschleunigte Digitalisierung
In den europäischen Kernmärkten von Sortlist – Belgien, Frankreich, Spanien und Deutschland – gaben 22,7 % der KMU-Inhaber an, dass es überhaupt keine Veränderung gab, 30,5 % sagten, dass Pandemie ihre Digitalisierung verlangsamt hat, weitere 43,8 % behaupteten, dass sie sie beschleunigt hat.

Während Spanien das einzige befragte Land ist, in dem COVID-19 die Digitalisierung tatsächlich beschleunigt habe (67 % der KMU-Besitzer gaben an, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus ihre Digitalisierungsbemühungen beschleunigt haben), hat war dies in den anderen Ländern nicht der Fall.
 
Digitalisierung in Deutschland
In Deutschland gaben 47 % der Unternehmer an, dass ihre Digitalisierung etwas an Fahrt aufgenommen hat, 28 % sagten, das Gegenteil sei der Fall und 23 % gaben an, es habe keine Veränderungen gegeben. Belgien, Frankreich und die Niederlande weisen ähnliche Ergebnisse auf.
 
45,9 % der deutschen KMU-Inhaber, die eine Beschleunigung der Digitalisierung in ihrem Unternehmen feststellten, ermöglichten das Arbeiten von zu Hause aus, 28,2 % verlagerten ihren Vertrieb online und 20 % fügten neue externe Kommunikationskanäle hinzu.

Im Vergleich zu Spanien sind die Unternehmer in Deutschland viel zufriedener mit der staatlichen Hilfe: 25 % sagen, dass es genug Unterstützung von öffentlichen Institutionen gibt, 45 % sagen, dass es etwas Hilfe gibt, weitere 25% sagen, dass es keine ausreichende Hilfe für ihre Digitalisierungsbemühungen gibt. 
In Spanien wiederum sagen 43 %, dass es keine Hilfe gibt und weitere 43 % sagen, dass es etwas Hilfe gibt, die aber noch verbessert werden kann. Nur 13 % sagen, dass genug Hilfe verfügbar ist.
 
Welche Schlüsse können wir daraus ziehen?
Insgesamt zeigt die Umfrage jedoch kein eindeutiges Ergebnis darüber, ob sich die laufende COVID-19-Pandemie positiv auf die Digitalisierung von Unternehmen in ganz Europa auswirkt. Dies könnte verschiedene Gründe haben:
  1. Die europäischen Länder sind auf sehr unterschiedlichen Niveaus der digitalen Integration in den ersten Lockdown eingetreten.
  2. Zur Digitalisierung eines Unternehmens gehört mehr als die Möglichkeit, remote zu arbeiten und online zu kommunizieren. Weitere Digitalisierungsbemühungen müssen ebenso betrachtet werden.
  3. Für viele KMUs können Investitionen in digitale Technologien bereits eine Hürde sein, wenn es keine Krise gibt. So ist es für sie in einer Krise dann noch schwieriger, mit den Anforderungen des Marktes Schritt zu halten.
 
Die gesamte Studie gibt’s hier.

Bildnachweis: Canva

Geschrieben von

Lea Sustersic

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