Regenerative Landwirtschaft: Präzise Daten als Grundlage

Regenerative Landwirtschaft beginnt nicht erst mit neuen Anbaumethoden oder biologischen Produkten, sondern mit etwas viel Grundlegenderem: Verständnis.

Denn Böden, Pflanzen und Wasserhaushalte sind hochdynamische Systeme. Wer sie verbessern will, muss zunächst wissen, was dort tatsächlich passiert. Genau hier setzt moderne Agrartechnologie an. Sie macht sichtbar, was lange im Verborgenen lag, und schafft damit die Grundlage für eine gezieltere und ressourcenschonendere Landwirtschaft.

Im Foodhub NRW Ökosystem entstehen mehrere Lösungen, die genau diesen Zugang ermöglichen – von Bodensensorik über Satellitendaten bis hin zu KI-gestützter Fernerkundung.

Ein zentraler Hebel der regenerativen Landwirtschaft ist der Stickstoffkreislauf. Zu viel Dünger belastet Umwelt und Gewässer, zu wenig reduziert Erträge. Entscheidend ist deshalb nicht die Menge, sondern die tatsächliche Verfügbarkeit im Boden zum richtigen Zeitpunkt. Hier setzt das Agritech-Start-up Nerit’e an. Mit seinem Sensorsystem misst es pflanzenverfügbaren Stickstoff direkt im Boden, ergänzt durch Daten zu Feuchtigkeit und Temperatur. Anders als klassische Bodenproben liefern diese Systeme kontinuierliche Echtzeitinformationen direkt aus dem Feld. So können Landwirt:innen bedarfsgerecht düngen, Nährstoffverluste reduzieren und gleichzeitig stabile Erträge sichern.

Während Nerit’e den Blick tief in den Boden ermöglicht, erweitert GeoPard Agriculture die Perspektive auf das gesamte Feld. Die Plattform kombiniert Satellitenbilder, Bodeninformationen, Ertragskarten und Maschinendaten zu einem umfassenden digitalen Abbild der Fläche. Daraus entstehen sogenannte Managementzonen, also Teilbereiche eines Feldes, die unterschiedlich bewirtschaftet werden können. Statt ein Feld gleichmäßig zu behandeln, wird es in funktionale Zonen unterteilt, die ihr jeweiliges Potenzial widerspiegeln. Dadurch lassen sich Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz deutlich präziser steuern und Betriebsmittel gezielter einsetzen.

Neben Nährstoffen spielt Wasser eine zunehmend entscheidende Rolle in der Landwirtschaft. Wetterextreme und längere Trockenperioden machen eine vorausschauende Steuerung unverzichtbar. Mit dem Dürrepiloten entwickelt Drought Analytics ein System, das die Wasserverfügbarkeit in der Wurzelzone kontinuierlich analysiert. Statt erst auf sichtbaren Trockenstress zu reagieren, erhalten Landwirt:innen frühzeitig Hinweise darauf, wann und wo Bewässerung notwendig ist und in welcher Menge sie erfolgen sollte. Dadurch wird Wasser nicht nur verbraucht, sondern aktiv gemanagt – ein entscheidender Schritt hin zu klimaresilienter Landwirtschaft.

Noch einen Schritt weiter geht PhenoInspect. Das Start-up nutzt Drohnen und KI-gestützte Bildanalyse, um Pflanzenbestände aus der Luft zu erfassen und auszuwerten. Dabei werden Unterschiede im Bestand sichtbar, die am Boden oft nicht erkennbar sind, etwa Wachstumsunterschiede, Stresssymptome oder Entwicklungsverläufe. Die hohe Auflösung der Daten ermöglicht eine kontinuierliche Beobachtung der Bestände über die gesamte Vegetationsperiode hinweg. So entsteht ein digitales Abbild des Feldes, das fundierte Entscheidungen in jeder Wachstumsphase unterstützt.

Alle vier Ansätze zeigen denselben grundlegenden Zusammenhang: Regenerative Landwirtschaft braucht präzise Daten. Nerit’e macht den Boden messbar, GeoPard strukturiert das Feld, Drought Analytics steuert Wasser und PhenoInspect macht Pflanzen sichtbar. Erst durch diese Kombination entsteht eine Landwirtschaft, die nicht auf Vermutungen basiert, sondern auf einem tiefen Verständnis der natürlichen Systeme.


Wenn dich diese Entwicklungen interessieren, besuche die Ideenfutter Expo in Neuss am 01.10.26. Im Rahmen des Branchentalks „Landwirtschaft ohne Chemie? – Ersatz für Dünger, Pestizide und Co.“ diskutieren Expert:innen über neue Wege der Landwirtschaft. Außerdem stellen dort unter anderem Drought Analytics, DynamoBot, NUNOS und Omnivore Recycling ihre Lösungen vor und zeigen, wie datengetriebene und regenerative Landwirtschaft heute bereits in der Praxis umgesetzt wird.


Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Projekts TransformERN erstellt, denn bei TransformERN sind wir überzeugt davon, dass wir alle viel voneinander lernen können – gerade wenn es darum geht, so komplexe Ziele wir Klimaneutralität zu erreichen. Wir von TransformERN freuen uns, dich gemeinsam mit unseren Partnern Ernährung NRW und Food-Processing Initiative auf dem Weg aktiv dabei zu unterstützen. 

TransformERN ist mit Mitteln der Europäischen Union und des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert.

© Bild: Canva

Geschrieben von

Constanze Hepp

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