Als ehemaliger Gründer des Insekten Start-ups Varuta gibt Marius Anger heute als Berater seine Erfahrung zur Forschungszulage an andere Gründerteams weiter. Im Interview erklärt er, was dahintersteckt und warum so viele Start-ups Geld liegen lassen.
Viele Start-ups gehen davon aus, dass die Forschungszulage nur für profitable Unternehmen interessant ist, die Körperschaftssteuer zahlen und winken ab, weil sie anfangs Verluste schreiben. Warum ist das ein Missverständnis?
Wichtig ist, dass ihr ein in Deutschland steuerpflichtiges Unternehmen seid und Lohn-, Körperschafts- oder Einkommenssteuern gezahlt werden, da diese vom Finanzamt verrechnet werden. Am Ende wird alles direkt vom Finanzamt verrechnet.
Fördermittel sind für viele Gründer:innen ein Reizthema. Wie hast du das selbst erlebt?
Fast jedes Start-up hat sich schon einmal über Fördermittel informiert und musste wahrscheinlich schnell feststellen, dass es eine enorme Menge an potenziellen Programmen, Ausschreibungen etc. gibt und man am Ende mehr Fragen als vorher hat. Das kenne ich aus eigener Erfahrung mit meinem Start-up sehr gut. Ich habe viele Stunden und Nächte investiert, manches hat geklappt, manches nicht. Aber jedes Mal haben mich die endlose Wartezeit auf eine Rückmeldung und der Aufwand sowie die bürokratischen Herausforderungen gestört.
Wie bist du dann auf die Forschungszulage gekommen und was ist das genau?
Seit 2020 gibt es die Forschungszulage, die Unternehmen jeder Rechtsform, Größe und Branche durch einen Zuschuss unterstützt. Als ich 2023 mit meinem Start-up Varuta auf der Ideenfutter Expo stand, hätte ich das wirklich gerne gewusst. Jetzt möchte ich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung als Gründer und Ingenieur andere Start-ups und Unternehmen dabei unterstützen, die Forschungszulage zu nutzen, damit sie erhalten, was ihnen zusteht. Mit der Forschungszulage werden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in den Bereichen Grundlagenforschung, industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung gefördert. Das sind Vorhaben und Tätigkeiten, die ein Großteil von euch also seit Tag eins durchführt.
Was macht die Forschungszulage im Vergleich zu klassischen Förderungen so attraktiv?
Der große Vorteil der Forschungszulage ist, dass sie nicht im Wettbewerb steht und die Bearbeitungszeit deutlich kürzer ist als bei klassischen Förderungen. Sobald das Unternehmen bzw. der Einzelunternehmer und das Vorhaben den Förderkriterien entsprechen, besteht ein gesetzlicher Anspruch darauf!
Über welche Zeiträume und Summen sprechen wir?
Die Forschungszulage kann vier Jahre rückwirkend und drei Jahre im Voraus beantragt werden. Somit besteht aktuell die Möglichkeit, für den Zeitraum von 2022 bis 2029 eine Förderung zu beantragen. Ebenfalls sind Vorhaben möglich, die vor dem 01.01.2022 begonnen haben und auch noch in dem förderfähigen Zeitraum laufen. Hierbei sind die F&E-Kosten vor dem 01.01.2022 zwar nicht förderfähig, das Vorhaben anteilig aber schon. KMU können dabei jährlich bis zu 4,2 Millionen Euro Förderung erhalten und Großunternehmen jährlich bis zu 3 Millionen Euro.
Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Was genau ist denn förderfähig?
Gefördert werden neben eigenbetrieblicher Forschung auch externe Auftragsforschung, Wirtschaftsgüter und Gemeinkosten.
Wie fühlt sich das an, wenn es dann klappt?
Ich beschreibe die Forschungszulage immer folgendermaßen: "Das Gefühl, die Forschungszulage zu erhalten, ist dasselbe, als hätte man ganz unverhofft einen Fünfziger in einer alten Jacke gefunden. Hervorragend!"
Wie unterstützt du die Foodhub NRW-Community konkret?
Mit 403 – Forschungszulage: Access granted unterstütze ich die Community sehr gerne bei der Antragstellung. Meine Unterstützung ist vollkommen erfolgsbasiert, transparent und DSGVO-konform. Alle Daten werden nur lokal oder in Deutschland/der EU verarbeitet.
Ich übernehme dabei die gesamte Arbeit von der Antragstellung über die Kommunikation bis hin zur Dokumentation und erhalte nur eine Provision, wenn ihr auch eine Förderung erhaltet. Ihr habt also weder Stress noch Risiko und könnt hohe Summen als Zuschuss erhalten.
Dein Appell an die Gründer:innen?
Die meisten von euch betreiben F&E, aber nur sehr wenige wissen, dass ihnen solche Beträge zustehen. Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr hoch, dass wir gemeinsam ein potenzielles Vorhaben bei euch finden. Ihr könnt also nur gewinnen und habt nichts zu verlieren.
Wir vernetzen Akteure der Agrar- und Lebensmittelbranche vom Feld zum Regal, um gemeinsam zukunftsgerichtete Lösungen für die Branchen zu entwickeln.
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