Regenerative Landwirtschaft: Bodenleben, Nährstoffkreisläufe, biol. Prozesse

Wenn über regenerative Landwirtschaft gesprochen wird, stehen häufig Technologien, Daten und neue Anbaumethoden im Vordergrund. Doch die eigentliche Transformation findet an einem Ort statt, der sich dem bloßen Auge weitgehend entzieht: im Boden.

Denn ein gesunder Boden ist kein statisches Substrat, sondern ein hochkomplexes Ökosystem aus Mikroorganismen, Pilzen, organischer Substanz und Nährstoffkreisläufen. In einer einzigen Handvoll Erde leben Milliarden von Mikroorganismen, die entscheidend darüber bestimmen, wie fruchtbar ein Acker ist, wie gut Pflanzen wachsen und wie resilient ein System gegenüber Stress reagiert.

Regenerative Landwirtschaft setzt genau hier an. Sie versucht nicht nur, Böden zu schonen, sondern ihre biologische Aktivität gezielt zu fördern und natürliche Prozesse wieder in Gang zu setzen.

Im Foodhub NRW Ökosystem entstehen mehrere Ansätze, die diesen Gedanken aus unterschiedlichen Perspektiven weiterentwickeln – von mikrobiologischen Lösungen bis hin zur Rückgewinnung wertvoller Nährstoffe aus organischen Reststoffen.

Ein zentraler Baustein ist dabei das Verständnis des Bodenmikrobioms. Pflanzen wachsen nicht isoliert im Boden, sondern in enger Wechselwirkung mit einer Vielzahl von Mikroorganismen, die Nährstoffe verfügbar machen, Krankheiten unterdrücken und das Wurzelwachstum beeinflussen. Genau hier setzt agriBIOME an. Das Unternehmen entwickelt mikrobiombasierte Lösungen für Pflanzen, Böden und Nutztiere, die gezielt darauf abzielen, diese natürlichen Gemeinschaften zu stärken. Statt externe Inputs zu maximieren, geht es darum, die biologischen Systeme im Boden zu stabilisieren und ihre Funktionalität zu verbessern. Dadurch können Pflanzen widerstandsfähiger werden und Nährstoffe effizienter nutzen, während gleichzeitig die Bodenqualität langfristig steigt.

Während agriBIOME den Fokus auf die Aktivierung biologischer Prozesse legt, adressiert NUNOS eine zweite zentrale Herausforderung der Landwirtschaft: den Umgang mit Nährstoffüberschüssen und Reststoffen. In vielen landwirtschaftlichen Systemen gelangen große Mengen an Stickstoff in Form von Gülle oder Gärresten in den Kreislauf, die jedoch nicht effizient genutzt werden können und teilweise Umweltprobleme verursachen. NUNOS entwickelt einen Ansatz, um genau diese Stoffströme wieder aufzubereiten und in wertvolle Pflanzennährstoffe zurückzuführen. Dabei kommt eine ursprünglich für die Raumfahrt entwickelte Technologie zum Einsatz, mit der stickstoffhaltige Reststoffe biologisch verarbeitet werden können. Ziel ist es, regionale Nährstoffkreisläufe zu schließen, Umweltbelastungen zu reduzieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Düngemitteln zu verringern.

Die Kombination dieser beiden Ansätze zeigt einen entscheidenden Punkt der regenerativen Landwirtschaft: Es reicht nicht aus, nur mehr biologische Aktivität im Boden zu fördern, wenn gleichzeitig große Mengen an Nährstoffen verloren gehen oder ineffizient eingesetzt werden. Erst das Zusammenspiel von lebendigen Böden und geschlossenen Kreisläufen schafft ein stabiles System, das langfristig produktiv und gleichzeitig regenerativ ist.

Damit wird deutlich, dass der Boden nicht nur Produktionsgrundlage ist, sondern ein aktives System, das gepflegt, verstanden und unterstützt werden muss. Je besser dieses System funktioniert, desto weniger externe Inputs sind notwendig und desto stabiler werden landwirtschaftliche Erträge – auch unter sich verändernden klimatischen Bedingungen.

Wenn dich diese Entwicklungen interessieren, besuche die Ideenfutter Expo in Neuss am 01.10.26. Im Rahmen des Branchentalks „Landwirtschaft ohne Chemie? – Ersatz für Dünger, Pestizide und Co.“ diskutieren Expert:innen über neue Wege der Landwirtschaft. Außerdem stellen dort unter anderem Drought Analytics, DynamoBot, NUNOS und Omnivore Recycling ihre Lösungen vor und zeigen, wie moderne Technologien und biologische Ansätze bereits heute in der Praxis zusammenspielen.


Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Projekts TransformERN erstellt, denn bei TransformERN sind wir überzeugt davon, dass wir alle viel voneinander lernen können – gerade wenn es darum geht, so komplexe Ziele wir Klimaneutralität zu erreichen. Wir von TransformERN freuen uns, dich gemeinsam mit unseren Partnern Ernährung NRW und Food-Processing Initiative auf dem Weg aktiv dabei zu unterstützen. 

TransformERN ist mit Mitteln der Europäischen Union und des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert.

© Bild: Canva

Geschrieben von

Constanze Hepp

Kommentare

Logge dich ein, um den Artikel zu kommentieren
Foodhub NRW

Wir vernetzen Akteure der Agrar- und Lebensmittelbranche vom Feld zum Regal, um gemeinsam zukunftsgerichtete Lösungen für die Branchen zu entwickeln.

© 2026 Foodhub NRW e.V.