Studie: 10 Szenarien für die Land- und Ernährungswirtschaft der Zukunft

Das Cluster Ernährung am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) hat zehn Szenarien ausgearbeitet, die disruptive Entwicklungen in der Land- und Ernährungswirtschaft abbilden. Diese zehn Szenarien beziehen sich auf mögliche, zukünftige Veränderungen der Rahmenbedingungen in der Land- und Ernährungswirtschaft. 

Von 0 Disruptionen bis hin zu Novel Food

In Szenario 1 finden keine Disruptionen statt, hier liegt der Fokus lediglich auf Prozessoptimierungen. Da die Veränderungsbereitschaft von Gesellschaft und Politik in diesem Szenario sehr gering ist, gibt es auch für die Agrar- bzw. die Ernährungsbranche keine Notwendigkeit für disruptive Veränderungen. Das führt wiederum zu einer nur langsam fortschreitenden Entwicklung der Lebensmittelwirtschaft. Im zweiten Szenario geht es um "aufkeimende Disruptionen unter der Oberfläche". Akteur:innen aus der Ernährungswirtschaft engagieren sich hier nicht für innovative Ansätze in der Primärerzeugung oder für nachhaltige Lebensmittelproduktion. An dieser Stelle kommen Start-ups ins Spiel. Die Endprodukte sind hier weitgehend traditionelle Lebensmittel, da sich Konsumenten:innen eher skeptisch gegenüber Novel Food – Food Innovationen   zeigen. Auch hier bleibt die Land- und Lebensmittelwirtschaft weitgehend unverändert. 

Im dritten Szenario geht es um Technoloige-getriebene Disruptionen. Die Erzeugung von Lebensmitteln wird demnach technisiert, dazu gehören die Primärproduktion aber auch die nachgelagerten Vewertungsprozesse von Biomasse. Dieses Szenario tritt ein, wenn Technologie-Konzerne die Werschöpfungskette der Ernährungswirtschaft prägen können, ohne dabei auf Nachhaltigkeitsziele zu achten. Das vierte Szenario bezieht sich auf nachhaltige Disruptionen für globalen Fortschritt. Hier werden die Wertschöpfungsketten automatisiert, dazu gehören die Primärerzeugung bis hin zu industriellen Verarbeitungen. Die Wertschöpfungsketten orientieren sich in diesem Szenario allerdings an Nachhaltigkeitszielen. Zudem sind hier viele innovative Produkte präsent, was dazu führt, dass Novel Food stark akzeptiert wird. Im fünften Szenario treiben Produkt-Disruptionen die Transformationen der Landwirtschaft an. Durch Innovationen in der Lebensmittelherstellung werden viele Primärstoffe der traditionellen Landwirtschaft überflüssig. Neue Anbaumethoden etablieren sich, das Umfeld der Land- und Lebensmittelwirtschaft verändert sich, beispielsweise verlieren globale Wertschöpfungsketten an Bedeutung, so dass der Handel hauptsächlich in regionalen Clustern erfolgt. 

Traditionelle Lebensmittel werden weiterhin bevorzugt

Szenario 6 stellt Preis-Disruptionen der traditionellen Urproduktion gegenüber. Das heißt, das Novel Food entwickelt sich immer weiter und wird günstiger, allerdings gibt es immer noch viele Skeptiker:innen, so dass viele Konsumenten:innen immer noch zu den teureren traditionellen Lebensmitteln greifen. Das führt zu einer sogenannten Nutrition Divide innerhalb der Gesellschaft. In Szenario 7 geht es um Prozess-Disruptionen für traditionelle Lebensmittel. Hier blockieren Gesellschaft und Konsumenten:innen Innovationen, beispielsweise das Novel Food, da sie weiterhin traditionelle Lebensmittel kaufen wollen. Hier konzentriert sich die Ernährungswirtschaft auf disruptive Veränderungen ihrer Prozesse, beispielweise Wertschöpfung und Geschäftsmodelle. 

In Szenario 8 geht es um Biomasse-Disruptionen. Hier erfindet sich die Landwirtschaft neu. Die traditionelle Landwirtschaft rückt in den Hintergrund, da der überwiegende Teil der Primärproduktion in Fabriken auf Basis synthetischer Biomasse erfolgt. Auch hier werden noch weitgehend traditionelle Endprodukte gekauft, da die Konsumenten:innen ihre Skepsis nicht überwinden können. Szenario 9 steht für Marketing-Disruptionen für die Lifestyle-Gesellschaft. Das heißt, hier stehen die Lifestyle-orientierten Konsumeten:innen im Fokus. Vieles bleibt unverändert, auch die Prozesse der Hersteller:innen entwickeln sich nur schrittweise. Auch Erfolge zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele bleiben in diesem Szenario aus. Im letzte Szenario geht es um blockierte Disruptionen. Die Verbraucher:innen wenden sich gegen Innovationen im Ernährungssektor, was dazu führt, dass die Qualität der Versorgung basierend auf regionalen und traditionellen Lebensmitteln abnimmt. Hier finden die Ablehnung von Innovationen und Transformationen parallel statt, weshalb auch in diesem Szenario Erfolge durch das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele ausbleiben. 

Welche Szenarien sind wünschenswert?

Laut den Branchenexperten ist es am wahrscheinlichsten, dass Szenario 4 eintritt. Dahinter folgen Szenario 5,6 und 7. In den Szenarien 4,5 und 6 erfolgen umfangreiche Veränderungen bei den Produkten und die Bedeutung von Novel Food ist hoch, was wiederum zu einer Abkehr von traditionellen Lebensmitteln führt. In diesen Szenarien wird auch die Transformation der Landwirtschaft stark erwartet bis zu einer extensiven Landwirtschaft mit neuen Anbau- und Flächenmethoden. Die Szenarien 4,5 und 6, sowie Szenario 3, gehören zu denen, die als am meisten wünschenswert für die Zukunft angesehen werden. Auf Platz 1 liegt Szenario 5, da hier umfangreiche Anpassungen der Landwirtschaft vollzogen werden und, da Novel Food hier an großer Bedeutung gewinnt.

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Geschrieben von

Leonie Kellers

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