Vollautomatisiertes Einkaufen in Düsseldorf – TYPY

Ein Supermarkt mit Roboterlösungen erspart die mühselige Suche nach Produkten im Regal. Mit einer App rund um die Uhr Einkäufe tätigen und kurzerhand abholen. Nicht in Zukunft, sondern jetzt – im TYPY in Düsseldorf.
 
Auf dem deutschen Markt tummeln sich bereits eine Vielzahl von Technologie-Unternehmen, die Shop-Lösungen zum automatisierten Einkauf ermöglichen: So sind beispielsweise Livello Technologies aus Düsseldorf und snabble aus Bonn zwei aufstrebende Start-ups im Bereich automatisiertes Einkaufen. Snabble hat bereits im September 2020 die tegut Filiale tegut…teo mit seiner Scan&Go Technologie ausgestattet, Livello hat Anfang dieses Jahres in Kooperation mit einem lokalen Betreiber einen kassenlosen Smart Store in Immenstadt im Allgäu gestartet. 
 
snabble.io und Livello Technologies
Hinter den zwei Lösungen stecken verschiedene Technologien: snabble entwickelt Scan&Go Technologien, die, am Beispiel des tegut… teo, einen vollständig autonomen Store ermöglichen. Tür des Ladens per App oder Giro-/ Kreditkarte öffnen, Produkte mit der App oder am Bezahlterminal scannen, per App oder am Bezahlterminal zahlen, Laden verlassen. Und das alles ohne Verkaufspersonal. Livello hingegen hat intelligente Kühlschränke und Regalsysteme entwickelt. Die Technologie erkennt automatisch welche Produkte entnommen und nicht zurückgestellt werden. So wird auch nur das berechnet, was der Kunde wirklich in den Einkaufskorb legt. Gemeinsam mit einem lokalen Betreiber wurde nun ein Smart Store eröffnet, der 24/7 geöffnet hat und durch die oben genannte Technologie „Checkout-Free“ verlassen werden kann, denn das System rechnet am Ende des Kaufvorgangs automatisiert ab.
Die beiden Start-ups haben ihre Lösungen auf dem Panel zur digitalen Filiale auf der Ideenfutter Expo 2020 vorgestellt und diskutiert. Hier geht’s zum Video. 
 
Automatisiertes Einkaufen in Düsseldorf mit TYPY
Mit Techlösung Nummer 3, einem Automatensystem, können seit November letzten Jahres Konsumenten auch im Düsseldorfer Medienhafen auf der Hammer Straße 17 kontaktlos und vollautomatisiert einkaufen. Der digitalisierte Mini-Supermarkt TYPY hat am 18. November 2020 seine Pforten geöffnet. Die Robotics-Technologie kommt vom Start-up smark, die ebenfalls den ehemaligen Nahversorger-Markt „Emmas Enkel“ in Stuttgart mit ihrer Technologie ausgestattet haben. Wir haben den TYPY getestet.
 
Gegründet von der Campo Group, ausgestattet mit der Technologie von smark, dessen Investor gleichzeitig ebenfalls die Campo Group ist, lassen sich dort rund um die Uhr Einkäufe tätigen. Die Innovation: Man kann entweder vorher digital per Smartphone-App oder vor Ort am Terminal die gewünschten Produkte bestellen und sie dann an der Warenausgabe einfach mitnehmen.
 
 
Terminal- und App-Bestellung statt Knöpfchendrücken am Automaten
Die Automatenlösung von TYPY ist sehr ausgefeilt, anders als der Automatenstore „Herr Anton“ von Hensing in Emsdetten, bei dem manuell Knöpfchen gedrückt werden müssen und am Automaten durch verschiedene, wählbare Optionen wie Barzahlung, EC- und Kreditkarte sowie kontaktloses Zahlen bezahlt wird.
Im TYPY befinden sich keine klassischen Verkaufsautomaten, die man manuell bedienen muss. Vielmehr ist er ein voll-automatisierter Store, in dem Bestellungen am Terminal oder über die TYPY-App getätigt werden und dann an der Ausgabe abgeholt werden können. 
Dabei fahren zwei Roboter, davon einer zuständig für das Trocken- und einer für das Frischelager, über Schienen Hochregale entlang und suchen sich die Produkte zusammen. Im Anschluss werden die Produkte in die Warenausgabe gelegt. Das heißt für den Kunden: nicht durch die Gänge eines Supermarkts huschen und sich die Produkte selbst zusammensuchen müssen. 
So kannst du per App also schon morgens dein Mittagessen oder deinen Einkauf bestellen und ihn ganz bequem abholen.

Automatisierte Warenausgabe
Der 110qm (inkl. Lager) große Store verfügt über 2 Kaffeestationen, 2 Bestellterminals und 3x2 Fächer für die Warenausgabe. Bestellt man mit dem Smartphone kann man sofort am Eingang den QR Code der Bestellung einscannen und sich seinen Wunsch-Einkauf an der Warenausgabe abholen. Wer mit dem Terminal bestellt, erhält einen Beleg, der ebenfalls eingescannt wird und die Warenausgabe freischaltet.
Aktuell ist der Store aufgrund der Corona-Pandemie Montag bis Samstag von 8:00 bis 20:00 geöffnet und zu Beginn ist immer Personal auf der Fläche, um den Prozess zu erklären. Ziel ist es, den Laden 24/7 ohne Verkaufspersonal zu betreiben. Zeitnah sollen noch zwei weitere Standorte in der Nähe aufgemacht werden, bis Ende 2023 plant TYPY, bundesweit 200 Stores zu eröffnen. Dabei ist die Zusammenarbeit mit lokalen Betreibern geplant.

Rund 750 Artikel des „täglichen“ Bedarfs
Betreiber in Düsseldorf ist BROICH, eines der führenden regionalen Catering-Unternehmen. Insgesamt gibt es im Store rund 750 ausgewählte Artikel aus den Rubriken Fresh food, Coffee to go, Ready2finish, Frühstück, Lunch, Afterwork, kalte Getränke, Wein, regional, vegetarisch & vegan, Bio, Milch & Käse, Fleisch, Gemüse, Kochen, süß & salzig, Drogerie und Tabak zu kaufen. Die frischen Sandwiches, Bowls, Salate und Smoothies werden täglich von BROICH zubereitet.
Der Produkt-Mix wurde anhand einer Thesenentwicklung für das Sortiment und dem Bedarfseinkauf erstellt. Außerdem wird mithilfe von künstlicher Intelligenz registriert, welche Produkte besonders gefragt sind. Die, dies es nicht sind, werden aus dem Sortiment gestrichen.
 
Der Kaffee an der Kaffeebar kommt von der regionalen Rösterei CØFFE. Um einen Kaffee zu bestellen muss nur die App auf dem Smartphone heruntergeladen und der gewünschte Kaffee ausgewählt werden. Bestellung abschließen und schon kann der QR Code auf dem Smartphone über den Scanner an der Kaffeestation gehalten werden. Becher drunter und sofort gibt’s einen leckeren frischen Kaffee. Ohne Smartphone gibt es hier also keinen Kaffee.


TYPY als neuer Standard für automatisiertes Einkaufen
Zwar investiert das Team hinter TYPY auch in die Technologie, aber im Gespräch wird klar: hier sind Gründer am Werk, die ihre Vision vom vollautomatischen Store mit dem TYPY realisieren und so eine Blaupause für den Einkauf der Zukunft schaffen wollen. Dabei setzen sie voll auf die App-Bestellung, da auf diese Weise sehr flexibel und zeitsparend eingekauft werden kann. Man kann im Handumdrehen vorbestellen und die Produkte in „warmer, entspannter Umgebung abholen“, so COO und Founder Maximilian Grönemeyer. Das biete auch großes Potenzial für einen Lieferdienst.
Aber auch für die Betreiber will das Team optimale Bedingungen schaffen: das just-in-time Warenmanagement gibt Betreibern immer einen aktuellen Überblick über den Lagerbestand, sowie umfangreiche Verkaufsdaten, um das Angebot jedes TYPY schnell optimieren zu können. 
„Wir wollen automatisiertes Einkaufen richtig umsetzen“, sagt Grönemeyer. Automatisiertes Einkaufen habe eine Berechtigung im Lebensmitteleinzelhandel und soll neben dem „normalen“ LEH koexistieren. 
 
In unserem Blogpost zum automatisierten Einkaufen findet ihr außerdem weitere Beispiele zu automatisierten Supermärkten in Deutschland, China und Amerika.

Bildnachweis: Schwarz+Matt GmbH

Geschrieben von

Lea Sustersic

Foodhub NRW

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