Wenn Schokolade plötzlich ohne Kakao auskommt

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Ein aktueller Artikel beschreibt eine überraschende Entwicklung in der Lebensmittelindustrie: Der weltweit größte Lebensmittelkonzern, Nestlé, hat begonnen, in einer Produktlinie echten Kakao durch eine kakaofreie Alternative zu ersetzen. Dabei handelt es sich nicht um eine kleine Rezeptänderung, sondern um ein mögliches Signal für einen grundlegenden Wandel in der Schokoladenindustrie. 

Der neue Ansatz basiert auf einer Zutat namens ChoViva, entwickelt vom deutschen Food-Tech-Unternehmen Planet A Foods. Statt Kakaobohnen werden fermentierte Sonnenblumen- und Traubenkerne verwendet, die geschmacklich und funktional Schokolade imitieren sollen.

 

Die Kakao-Krise

Hinter dieser Entscheidung steht laut Artikel eine zunehmend dramatische Situation auf dem globalen Kakaomarkt. Die Preise für Kakao erreichten 2024 Rekordhöhen, nachdem Klimaveränderungen die Ernten massiv beeinträchtigt hatten. Gleichzeitig sind die globalen Kakaolagerbestände auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt gefallen. 

Auch ökologische Faktoren spielen eine große Rolle. Die beiden größten Produzentenländer, Elfenbeinküste und Ghana, haben seit 1960 mehr als 85 % ihrer Waldflächen verloren, unter anderem durch die Ausweitung des Kakaoanbaus. Gleichzeitig warnen Wissenschaftler*innen, dass bis 2050 etwa ein Drittel der weltweiten Kakaobäume verschwinden könnte. 

Hinzu kommt die hohe Umweltbelastung der Produktion: Für die Herstellung einer einzigen Schokoladentafel werden laut Artikel rund 1.700 Liter Wasser benötigt, und Schokolade gehört zu den emissionsintensivsten Produkten der Lebensmittelindustrie.

 

Technologische Alternativen zu Kakao

Was die aktuelle Situation besonders verändert, ist laut Artikel, dass technologische Alternativen inzwischen marktreif sind. ChoViva wird bereits in über 120 Produkten in zehn Ländern verwendet und ist unter anderem im Sortiment großer Handelsketten verfügbar. 

Die Produktion der kakaofreien Alternative wird zudem schnell hochskaliert: Nach einer Finanzierungsrunde von 30 Millionen US-Dollar hat Planet A Foods seine Produktionskapazität von rund 2.000 auf über 15.000 Tonnen pro Jahr ausgebaut. Das zeigt, dass sich die Technologie nicht nur im Pilotstadium befindet, sondern für industrielle Nachfrage vorbereitet wird. 

Ein wichtiger Treiber ist auch die Umweltbilanz. Laut Artikel können kakaofreie Alternativen wie ChoViva 82–91 % weniger Treibhausgasemissionen verursachen als konventionelle Schokolade. 


Auswirkungen auf die Schokoladenindustrie

Die Bedeutung dieser Entwicklung ergibt sich vor allem aus der Marktstellung von Nestlé. Der Konzern kontrolliert etwa 10 % des globalen Süßwarenmarkts. Wenn ein Unternehmen dieser Größe beginnt, eine grundlegende Zutat zu ersetzen, kann das weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Branche haben. 

Der Artikel beschreibt, dass auch andere Unternehmen bereits an Alternativen arbeiten, darunter große Lebensmittel- und Zutatenhersteller sowie mehrere Food-Tech-Start-ups. Die Frage sei daher nicht mehr, ob kakaofreie Alternativen auf den Markt kommen werden, sondern wie schnell sie sich verbreiten.

 

Ein möglicher Wendepunkt für Schokolade

Der Artikel deutet die Entscheidung von Nestlé als mögliches Signal für eine größere Transformation der Branche. Steigende Rohstoffpreise, Klimarisiken und ökologische Belastungen könnten dazu führen, dass sich Schokolade – zumindest teilweise – von ihrer traditionellen Rohstoffbasis löst.

Damit könnte eine Zukunft entstehen, in der Schokolade nicht mehr zwingend aus Kakaobohnen hergestellt wird, sondern aus alternativen Zutaten mit ähnlichem Geschmack und geringerer Umweltbelastung.


Mehr dazu unter: The Future of Food und Just Food.

 

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