"100.000 Leute beeinflussen – das ist Impact!"

76 Prozent aller Gründer*innen in Deutschland wollen mit ihrem Start-up einen gesellschaftlichen oder ökologischen Impact leisten. Doch wo fängt Impact an und welche Ziele will ich als Start-up erreichen? Gehören zum Impact nur der Produktionsprozess und die Lieferkette oder auch das Möbelstück, das ich für mein Start-up kaufe und der Strom, den ich nutze? Am Ende unserer Nacht der Ideen "Gründen für eine bessere Welt: So geht Impact" am 23.06 sind sich alle einig: wichtig ist es, erstmal anzufangen, auch wenn man nicht sofort perfekt ist. 

Mehrstufige Verpackungslösungen

Judy Christiaens, Co-Founder von vollgepackt, die mit ihrem Bruder Jörn in einer Indoor-Farm im Areal Böhler in Neuss Microgreens anbaut, berichtete beispielsweise von einem mehrstufigen Verpackungskonzept. Für die bundesweite Distribution nutzt Vollgepackt eine robustere, aber dafür weniger nachhaltige Verpackung als für den Verkauf im lokalen Supermarkt. So stellen sie sicher, dass die Microgreens auf dem Weg zum Kunden nicht beschädigt werden und länger frisch halten – mehr Verpackung, aber weniger Foodwaste. Bei der regionalen Verpackung hingegen können die beiden für ihre Produkte eine biologisch abbaubare Verpackung nutzen. Zudem arbeitet vollgepackt mit einem Pfandsystem, um seine Lieferkisten zurückzubekommen. Egal mit welcher Verpackung, den Impact leisten die Neusser damit, deutschen Konsumenten Geschmack auf Microgreens zu machen, und ein Bewusstsein zu schaffen für nährstoffreiche Lebensmittel, die mit minimalen Inputs auch in urbanen Räumen angebaut werden können.

Mit jedem Wachstumsschritt optimieren

Das Düsseldorfer Start-up Glasbote will Verpackungsmüll reduzieren. Daher haben Julia Riensche und Florin Kutten den Unverpackt-Lieferdienst gegründet. Das heißt, das Start-up holt die benutzten Mehrweggläser, wiederverwendbaren Obst- und Gemüsenetze, sowie Jutebeutel wieder beim Kunden ab und der Pfandwert wird dem Glasbote-Konto gutgeschrieben. Auch ein Fokus auf Bio-Produkte und emissionsfreie Auslieferung waren von vornherein Teil des Konzepts: Sie liefern mit dem E-Cargobike. Mit dem Wachstum des Start-ups nehmen die zwei jetzt weitere Facetten ihres Unternehmens unter die Lupe: so haben sie klimaneutrale Handyverträge abgeschlossen und für ihr erstes eigenes Lager Grünstrom bestellt. 

Kein Impact ohne Konsumenten

Egal wie weit ein Start-up sich die Impactziele steckt – am Ende hängt der Erfolg an den Konsumenten. Das verdeutlichte Sven Hennebach, Co-Founder des mittlerweile geschlossenen Start-ups CupForCup. 2018 lancierte das Start-up ein Pfandsystem für Kaffeebecher und To-Go-Geschirr. Cafés, Tankstellen, Bäckereien und Konsumenten nahmen die Idee eines Pfandsystems zwar begeistert an – aber die Konsumenten brachten die Becher am Ende des Tages einfach nicht zurück. "Wir waren wirtschaftlich extrem erfolgreich, aber den gewünschten Impact hatten wir nicht", erläuterte Sven. Dieser Widerspruch führte das Gründerteam am Ende zu der Entscheidung, das Start-up zu schliessen.
Sven bring seine Erfahrung zu Mehrwegsystemen und Verpackungsreduktion jetzt bei Interzero, einem Entsorgungsunternehmen, ein. Auch hier macht er die Erfahrung, dass viele vermeintlich nachhaltigere Verpackungsinnovationen nicht funktionieren. "Welcher Verbraucher macht sich am Ende die Mühe, einen Joghurtbecher mit Pappbanderole in die verschiedenen Materialien seiner Verpackung aufzuteilen und dementsprechend zu entsorgen?" Auch Julia hat die Erfahrung gemacht, dass es "marketingtechnisch schwierig ist, das Glas aus den Köpfen der Menschen zu bekommen", meint sie. Dabei emittiert Einweg je nach Transportweg weniger CO2 als Mehrweg. Dreh und Angelpunkt ist also die Information und Kommunikation mit Konsumenten. "Die Verbraucher müssen anfangen umzudenken. Die Informationen sind alle da - man muss sich nur damit befassen", plädiert Judy.

Impact oder Greenwashing

Viel diskutiert auch die Frage, ob große Konzerne mit neuen Nachhaltigkeitskonzepten auch Impact-Unternehmen werden, oder nicht doch eher auf einer Marketing-Welle des Greenwashings schwimmen. Für Simon Liang, der als VC in Impact Start-ups investiert, ist die Rechnung einfach: es geht in erster Linie darum, so viele Konsumenten:innen wie möglich zu erreichen und ein Umdenken anzustoßen. "Wenn man 100.000 Leute beeinflussen kann, ist das was wert", meint Simon. Großes Potential liegt in der Kooperation zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen, denn häufig setzen Start-ups die Impulse und die Industrie zieht nach. Wenn neue, werte-getriebene Ideen auf etablierte Strukturen und Know-how treffen in einer Beziehung auf Augenhöhe, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir mit unseren Ideen wirklich nachhaltig Veränderung erzielen.

Geschrieben von

Leonie Kellers

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