Vertical Farming als Zukunft unserer Ernährung?

„Urbane & vertikale Landwirtschaft – Utopie oder Ernährungssystem der Zukunft?" So lautete einer der sechs runden Tisch, der auf der diesjährigen Ideenfutter Expo zur Diskussion einlud. Denn ob Aquaponics, Hydroponics, Aeroponics, Dachgewächshäuser…, es gibt eine Vielzahl neuer, hocheffizienter Anbaukonzepte ergänzend zur konventionellen Landwirtschaft. Die Produktion von Obst und Gemüse wird so in die Städte gebracht und damit näher zu den Kunden, den Verbrauchern. Überdies verspricht die vertikale Landwirtschaft die Einsparung von wertvollen Ressourcen wie Wasser, Pestiziden etc. An diesem runden Tisch diskutieren wir das Potential von urbaner und vertikaler Landwirtschaft für den Food System Change.  


Moderiert von Jochem Wolthuis & Joachim Stracke, Co-Gründer  „Das Frische Institut“, trafen sich rund 15 Teilnehmer zum AustauschUnd der Mix am Tisch hätte vielfältiger nicht sein können. Vom Verticalfarm-Erdbeerproduzent über einige Investoren, Messeveranstalter der Vertifarm, Vermieter eines Hofes, Wissenschaftler, Ernährungsrat, Agrartechniker und Marketingexperten. Eines ist klar, der Anbau unter Glas, vor Ort, mit Einsatz neuester Techniken und LED-Beleuchtung ist keine Utopie, sondern bereits erlebbare Wirklichkeit. Eines der jüngsten Beispiele ist der neue Markt von REWE in Wiesbaden. Hier werden Lebensmittel nicht nur verkauft, sondern gleichzeitig auch ressourcenschonend produziert. In einer eigenen Dachfarm im Markt werden Fische und Basilikum gezüchtet und direkt vor Ort, sowie in der Umgebung vertrieben. Für den kürzesten Transportweg, weniger Plastik und die frischesten Produkte. Zur Förderung der Nachhaltigkeit wird der Einsatz der verschiedenen Vertical Farming Varianten inzwischen von allen Handelsunternehmen im realen, täglichen Einsatz getestet.

Wird Vertical farming die Städte der Zukunft ernähren können? 

Die Grundsatzantwort des runden Tisches lautet „ja“. In und rundum der Städte werden im Jahr 2050 ca. 80% der Weltbevölkerung leben. Dann werden frische und regionale Produkte aus dem Gewächshaus „von nebenan“ ein wesentlicher Bestandteil der nachhaltigen und gesunden Ernährung der Stadtbewohner sein. Die verschiedenen Ausprägungen von Vertical Farming werden maßgeblich zur Ernährung der 10 Milliarden, Menschen beitragen, die die Welt in 30 Jahren bevölkern werden.

Wird in Zukunft jeder Haushalt seine eigene Farm haben, und somit autark seine eigenen frischen Produkte, mithilfe moderner Technologie, anbauen?

Die einstimmige Meinung der Tischredner lautet „nein“. Es werden eher große, zentrale Anlagen in den Städten zur Versorgung der Menschen beitragen. Kurze Lieferwege können maßgeblich zur verkehrstechnischen Entlastung der Innenstädte beitragen.

Wie wirken sich die derzeitige Energiepreise auf vertikal farming aus?

Durch die derzeitige Energiekrise mit den extrem hohen Preisen steht auch der Anbau in den urban und vertical farming Konzepten, sowie den Gewächshäusern – wie fast alle produzierenden Betriebe – unter massiven Kostendruck. Allerdings ist hier auch sehr individuell zu berücksichtigen, mit welchen Energiequellen gearbeitet wird. Nutzer von Erdwärme oder Abwärme, beispielsweise von Kraftwerken, sind hier zurzeit deutlich im Vorteil. Es ist zu befürchten, dass auch einige dieser Startups die Energiekrise nicht überstehen werden, da sie sich meist noch in der Entwicklungsphase befinden und noch nicht kostendeckend produzieren können.

Wie ist die Akzeptanz der Verbraucher:innen? 

Grundsätzlich stehen Verbraucher:innen dem Anbau im modernen Gewächshaus und insbesondere Vertifarm noch skeptisch gegenüber. Wenn man es nicht besser weiß, könnte man meinen, dass es im Gewächshaus nicht mit rechten Dingen zugeht. Eine Aufklärungskampagne für Verbraucher:innen würde wesentlich zur höheren Akzeptanz beitrage. Ressourcen schonend, regional, und vor allem ganzjährig werden so frische Produkte angebaut. Die Moderatoren Jochem und Joachim konzentrieren sich auf die Mitarbeiter:innen der LEH Ketten im Markt. Sie bilden diese als Wissensmultiplikatoren weiter, damit sie ihr Wissen direkt an die Kunden:innen im Markt weitergeben können. So entsteht mehr Verständnis für frisches Obst & Gemüse aus dem Gewächshaus.

Wie könnte man am besten Erdbeeren aus der Verti-Anbau vermarkten? vGreens hat ein eigenes auf die Erdbeerproduktion ausgerichtetes hydroponisches Vertical Farmingsystem entwickelt. Dafür wurde bereits eine erste Farm in Witten in Betrieb genommen, die es erlaubt, auf rund 50 qm 10.000 kg Erdbeeren (p.a.) zu produzieren. Die Produktion findet kontinuierlich, über das ganze Jahr verteilt statt. Die Erdbeeren stellen ein regionales und nachhaltiges Premiumprodukt dar mit Brix Werten von >12. 


Weitere Berichte von der Ideenfutter Expo findest du hier:

- Wer finanziert die AgriFood- Revolution – Die Diskussion des Investorenpanels

- Können Müsliriegel die Welt retten? – Die Keynote von HAFERVOLL-Gründer und Investor Robert Kronekker

- 3 Hebel für mehr Nachhaltigkeit im Handel – Key Learnings vom runden Tisch "Nachhaltigkeit: Was will der Kunde, was will der Handel?

- Upcycling: Ressource statt Abfall – Key Learnings vom runden Tisch Upcycling

Geschrieben von

Jochem Wolthuis

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