So gründet Deutschland

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Wie ist das Gründungsklima in Deutschland und speziell in NRW – aus den Augen derer, die es angeht: den potentiellen Gründer:innen? Die Antwort: verhalten und mäßig, so der Global Entrepreneurship Monitor Länderbericht Deutschland. Er wird vom RKW Kompetenzzentrum in Kooperation mit dem Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover veröffentlicht.

2021 gründen mehr Deutsche als 2020

Die gute Nachricht vorab: die Gründungsquote in Deutschland ist 2021 im Vergleich zu 2020 um 2,1 Prozentpunkte auf 6,9% gestiegen. Damit befindet sich Deutschland im internationalen Vergleich der ausgewählten Länder mit einem hohen Einkommen auf Rang zehn von 14. Spitzenreiter ist Kanada - hier ist die Gründungsquote 2021 mit 20,1% am höchsten. Zudem sind die Gründungsquoten 2021 in Deutschland für Frauen, sowie für Männer gestiegen. Bei den Männern sind es 2021 8,4% (VJ: 5,4%) und bei den Frauen 5,3% (VJ: 4,4%). Auch Migrantinnen und Migranten haben in den Jahren 2019-2021 häufiger gegründet als Personen, die in Deutschland geboren sind. 

Viele regionale Unterschiede in Deutschland

5,5% ist der Anteil der Personen in NRW zwischen 18 und 64 Jahren, die gründen oder eine Gründung planen. Hamburg hingegen motiviert seine Gründer:innen am besten: hier liegt der Anteil bei 9,6%.

Fast die Hälfte der Befragten (47,4%) bescheiden NRW zwar gute Voraussetzungen für Unternehmensgründungen in den  nächsten sechs Monaten – damit befindet NRW befindet sich im oberen Mittelfeld, aber wenn es ums "machen" geht, fällt die Kurve steil ab. So glauben nur 34,4% der Befragten in NRW, dass sie die Fähigkeiten hätten, ein Unternehmen zu Gründen. Im Vergleich: im Brandenburg haben 44,9% das Selbstvertrauen, eine Gründung anzustreben. Damit liegen sie in Deutschland an erster Stelle.

Mangelnde Scheiterkultur

Die Angst vorm Scheitern verhilft NRW auf das Treppchen der Top 2: mehr als die Hälfte der Befragten (51,6%) hält diese Angst davon ab, sich ernsthaft mit einer Gründung zu beschäftigten. Negativer ist der Trend nur noch in Bremen (51,7%). Am optimistischsten hingegen sind die Befragten in Baden-Württemberg. Zwar lassen sich hier nur 39,6% von der Angst vom Scheitern aufhalten. Grundsätzlich muss man in Anbetracht dieser Werte sagen: Scheiterkultur sieht anders aus. Da ist der Weg in Deutschland noch weit. 

Handlungsempfehlungen für Gründer:innen

Damit mehr Frauen und Männer zukünftig ein Unternehmen gründen, gibt der GEM-Bericht Handlungsempfehlungen. Unter anderem sollten die Startbedingungen für Gründerinnen verbessert werden. Oft ist geringere Gründungsquote mit der fehlende Vereinbarkeit einer Gründung mit familiären oder beruflichen Verpflichtungen verbunden. Zum anderen sollten die Rahmenbedingungen für Forschungskooperationen mit Universitäten verbessert werden. Ein weiterer Tipp ist auch, die Chancen der Digitalisierung mehr auszuschöpfen. 

Deutsche im internationalen Vergleich im Mittelfeld

Während fast die Hälfte der 18-64-jährigen Deutschen gute Gründungschancen in ihrer Region sieht, sind es in Schweden hingegen fast 80% (79,6%). In Spanien dafür gerade mal 30%. Was die Angst vor dem Scheitern als Gründungshemmnis angeht, befindet sich Deutschland mit 45,5% im Mittelfeld. In Südkorea teilen nur 21,7% diese Befürchtung. Da wundert es nicht, dass die Deutschen erfolgreichen Gründern Respekt zollen: wer hier erfolgreich gründet genießt bei 82,7% der Deutschen zwischen 18 und 63 Jahren ein hohes Ansehen. Damit liegt Deutschland nach Südkorea und dem Vereinigten Königreich auf dem dritten Platz.


Der GEM Länderbericht Deutschland wird vom RKW Kompetenzzentrum in Kooperation mit dem Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover durchgeführt. Hier der Link zum Bericht. 

Geschrieben von

Leonie Kellers

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