Was will dein Kunde wirklich? Digitale Lösungen der Marktforschung

Kunden, die mit einem Mausklick Produkt bestellen und in sozialen Netzwerken neue Marken entdecken wollen.
Technologie, die uns erlaubt, Kundenverhalten in ganz neuem Detail zu beobachten und zu analysieren. 
Die Digitalisierung bietet Unternehmen und Start-ups interessante Lösungen, um Kunden, ihre Bedürfnisse und Präferenzen schneller, einfacher und effizienter zu verstehen. Der Vorteil: schneller als bislang Einblicke gewinnen, Marketingstrategien anpassen und relevanter mit den Kunden kommunizieren.
 
Marktforschung liefert Unternehmen Erkenntnisse über ihre Produkte, ihre Zielgruppe aber auch über ihre Wettbewerber, um daraufhin fundierte Entscheidungen zu treffen. Wer kauft meine Produkte, welche Produkte kommen gut an, was können wir verbessern?
 
Große Erfolge von Samplingboxen
Eine Art der Marktforschung, die sich besonders in der Food- und Beauty-Szene hoher Beliebtheit erfreut, ist Produkt-Sampling oder auch „In-Home Samplings“.
Denn wer Kunden von seinem Produkt überzeugen möchten, sollte einen außergewöhnlichen Erstkontakt herstellen: Anfassen, testen, überzeugen.

Auf verschiedensten Anbieterplattformen können Kunden sich Boxen mit Produktproben unterschiedlicher Unternehmen bestellen, diese in ihrer vertrauten Umgebung testen und dann ihr Feedback dazu abgeben.  

Von den Plattformen bekommen die Unternehmen dann das Feedback und die Kundendaten, um auf dieser Grundlage ihre Produkte anzupassen und ggf. zu optimieren. Samplingboxen sind besonders gut dazu geeignet, neue, innovative Produkte effizient zu testen, sofortiges Feedback zu bekommen sowie das Kundenverhalten besser zu verstehen. Außerdem erleichtert Sampling den Erstkontakt und die Hürde des Erstkaufs beim Konsumenten, die perfekte Lösung also, vor allem für Start-ups, die ihr Produkt erst einmal testen lassen wollen. Das Platzieren von Produkten in Samplingboxen ist kostengünstiger als eigenständig organisierte Sampling-Aktionen.
 
Und es scheint zu funktionieren: laut einer Studie in den USA gaben 73% der befragten Verbraucher an, darin enthaltene Produkte nach dem Testen gekauft zu haben. Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie hat sich dieses „Distance Sampling“-Programm bewährt, da Verkostungen oder Promotions am Point of Sale nicht möglich sind.
 
Verschiedenste Sampling-Konzepte in DE
In Deutschland gibt es im Bereich Food (und Beauty) bereits verschiedenste Anbieter von Samplingboxen.

metacrew inszeniert Produkte der Auftraggeber in einem mehrstufigen Verfahren.  Zunächst wird das Produkt bei Oh! of the day getestet. Auf dieser Plattform können sich freiwillige Produkttester registrieren und die Produkte bewerten. War das Produkt erfolgreich, wird eine Boxplatzierung vorgeschlagen und danach wird das Produkt dauerhaft im Online-Shop platziert. Metacrew hat 2019 den deutschen Foodboxen-Pioneer Foodist gekauft, deren Boxen es nun im Online-Shop neben bspw. der PAM Box von Fitness-Influencerin Pamela Reif zu kaufen gibt.
Die Zielgruppe von metacrew umfasst rund 1 Mio. Kundendaten. Pro Produkt werden im Durchschnitt 375 Bewertungen generiert.
Das Sampling Feature von metacrew ist übrigens nur ein Teil des Geschäftsmodells. Hier kann der Kunde auch einfach schöne Boxen bestellen, Produkte entdecken und dann seine Favoriten z.B. im Foodist Store nachbestellen.
 
Bei Utry.me hingegen kann der Konsument seine Samplingbox selbst zusammenstellen. Das Geschäftsmodell ist voll und ganz als Sampling Service ausgelegt. Aus einer Variation an Produkten bekannter Marken und Start-up Produkten kann der Konsument für einen Festbetrag sein Wunschpaket packen. Dabei kennt der Tester den genauen Preis nicht, denn die Produkte haben keine Preisangabe.
Das Feedback der Konsumenten steht im Fokus des Konzepts von Utry.me. Durch die Rezensionen der Nutzer sollen Lebensmittel-Trends früh erkannt, Produkte optimiert und Marktforschungskosten gespart werden.
Utry.me verbindet mittlerweile 60.000 User und über 250 Marken. 
 
Personalisierte Samplingboxen durch erhobene Kundendaten
Nicht nur in Deutschland werden Samplingboxen benutzt, Kanada hat mit Sampler einen echten Vorreiter in petto, der seine Services aber auch international anbietet.
Sampler vermarktet personalisierte Samplingboxen. Das Unternehmen ist datengetrieben und das Samplingangebot daher passgenau auf die Interessen der Tester abgestimmt. Nach Erstellung eines Online-Profils erhält man auf Basis seiner Daten potenziell interessante Produkte und kann dann diejenigen auswählen, die man ausprobieren möchten. Je öfter man dort bestellt, sein Feedback zu den Produkten abgibt und monatliche Fragebögen ausfüllt, desto genauer werden die Produkt-Vorschläge auf der Plattform. 
Sampler erhebt diese Kundendaten sowie das Feedback und gibt dieses an die AI Plattform Keatext weiter. Diese Plattform nutzt künstliche Intelligenz, um textbasiertes Feedback aus beliebigen Quellen von Produktumfragen und Bewertungen zu analysieren und verarbeitet auf diese Weise schnell große Mengen an Feedback. Dieses wird wiederum an die teilnehmenden Unternehmen, die ihre Produkte zur Verfügung stellen, geliefert.
Außerdem kann das Programm von Sampler in unternehmenseigene Websites eingebunden werden. Seit 2020 ist Sampler auch in SAP integriert. Die Ergebnisse von Sampling-Programmen können so direkt in die Systeme der Auftraggeber einfließen.
 
Nicht nur Samplingboxen sondern auch innovative Supermärkte mit Fokus auf Marktforschungsstrategien und innovative Tech-Features können einschlägige Informationen über das Konsumentenverhalten einholen.
Am 06.Mai 2021 eröffnet in Köln ein sogenannter „Real-Life-Marktforschungs-Supermarkt“. Das Start-up „go2Market“, Mitglied im Foodhub NRW, hat bereits 2017 in Wien einen Testsupermarkt eröffnet, in dem registrierte Kunden Produkte kaufen können, die auf dem Markt (noch) nicht erhältlich sind. Dafür erhalten die Unternehmen und Startups der vertriebenen Produkte aus der FMCG-Branche bedeutende Insights zum Konsumverhalten. Nun folgt die Expansion nach Deutschland. In Köln können registrierte Kunden dann Produkte nach Wahl aussuchen. Der Warenwert der zu testenden Produkt entspricht den realen Preisen im LEH. Der Tester erhält aber über seinen Mitgliedsbeitrag von 14,90€/ Monat hinaus, auf seiner App einen virtuellen Wert von 55€ /Monat zum kontaktlosen Einkauf. Mit der Beantwortung im Nachgang zu den gekauften Produkten kann er diesen noch erhöhen. So liegt der durchschnittliche virtuelle Einkaufswert in Österreich bei 65€. Geplant ist außerdem, dass die Kunden beim Einkauf von Kameras und Sensoren beobachtet, um beispielsweise mit Blickaufzeichnungsverfahren Informationen die Wirkung von Regalplatzierungen oder Displays zu analysieren.
Auf diese Weise wird eine Erhebung durchgeführt, welche Produkte gekauft werden. Welche Verpackung spricht Konsumenten an? Wie verkauft sich mein Produkt im Vergleich zum Wettbewerb?
 
Intelligente Ladenfläche generiert Insights
Auch das Kölner Start-up _blaenk will in seinen Concept Stores mit digitalen Features Konsumenten-Insights erheben. In diesem Pop-up Format präsentieren verschiedene Hersteller für jeweils drei bis vier Monate ihre Produkte.
Um für die Unternehmen Konsumenten-Insights zu generieren, wird die Verkaufsfläche mit Kameras bestückt, die durch ein smartes Tracking-System einer AI-betriebenen Bildanalyse das Besucherhalten im Store analysiert – welche Produkte werden genau betrachtet, welches Geschlecht interessiert sich eher für welches Produkt und wie alt sind die Konsumenten in etwa? Damit werden Insights, die online schon längst üblich sind, auch offline möglich gemacht. 
Außerdem können Besucher durch das Scannen von QR Codes weiterführende Produktinformationen digital aufrufen und diese Produkte sogar auf Wunsch nach Hause bestellen. Eine Self-Checkout-Funktion ist ebenfalls möglich; so kann die Ware kontaktlos bezahlt werden. 
 
Aber auch ein smartes POS-Display kann schon interessante Erkenntnisse bieten, es muss nicht gleich ein ganzer Store sein. So bietet das Aachener Start-up EMSU mit dem „Spotlight“ eine Lösung an, die vor allem die Effizienz von Werbebotschaften testet. 
Das mit Sensorik und einem Monitor ausgestattete Regal erfasst, wie Kunden mit dem Produkt agieren und macht die Daten in Echtzeit für die Auftraggeber, verfügbar. Die Markenverantwortlichen können dann mit wenigen Klicks die Werbebotschaft auf dem Monitor ändern und so die Wirkung verschiedener Auftritte testen. 
EMSU und zwei weitere Retail Intelligence Start-ups aus unserer Community haben ihre digitalen Technologien im LEH am Runden Tisch auf der Ideenfutter Expo vorgestellt.
 
Digitale In-Home Beobachtung: eine weitere Art der Marktforschung 
Auch In-Home Beobachtung als Instrument der Marktforschung hat jetzt ein digitales Äquivalent. Hier ist das Start-up Streetbees Vorreiter. Die Human Intelligence Plattform aus London deckt durch Crowdsourcing von Echtzeitdaten von Menschen auf der ganzen Welt auf, wie Menschen denken und sich mit bestimmten Produkten verhalten. Unternehmen wie Unilever, Danone und Sony Pictures gehören zu seinen Kunden.

Ein Unternehmen möchte wissen, in welchen Schritten sich Konsumenten zu Hause das Frühstück zubereiten, wie sie ihren Kühlschrank organisieren? Nutzer bekommen dann per Smartphone App entsprechende Aufgaben, bei denen sie Videos und Fotos hochladen oder beantworten Fragen. Das soll natürlich auch für die Nutzer der App einen gewinnbringend sein: Pro abgeschlossene Aufgabe oder abgegebener Bewertung bekommen sie eine Geldprämie.
 
Durch diese Einblicke erhält die Plattform Aufschluss darüber, wie Kunden mit Produkten umgehen, welche Eigenschaften sie haben sollten usw. Streetbees nutzt dann maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz, um die Daten in Erkenntnisse umzuwandeln. Die Unternehmen, deren Produkte getestet werden, können auf diese Weise erkennen, wo echte Wachstumsbereiche liegen, wie ihre Kommunikation angepasst werden muss und sie ihre Zielgruppe besser erreichen. Außerdem kann die Plattform in die Websites der Unternehmen eingebettet werden.
Streetbees verzeichnet mehr als 3,5 Millionen Mitglieder „Bees“ und ist derzeit in mehr als 150 Ländern verfügbar.

Bildnachweis: Unsplash

Geschrieben von

Lea Sustersic

Foodhub NRW

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