Wer finanziert die AgriFood Revolution?

"Jeder Aussteller da draußen ist ein potenzielles Puzzleteil in diesem neuen Ernährungssystem." Damit leitet unsere Co-Gründerin Lee das Panel zum Thema "Investment Talk: Wer finanziert die AgriFood Revolution?" auf der Ideenfutter Expo ein. Aber wie schaffen wir es, diese Lösungen auf die Straße zu bekommen? Zwar sind die Fundingsummen n Food- und AgTech in Deutschland gestiegen, allerdings ist diese Entwicklung getrieben von Quick Commerce. Grundsätzlich haben Start-ups aus Deutschland es im internationalen Vergleich weiterhin schwer – besonders bei technologieintensiven Lösungen, die entsprechend viel Risikokapital benötigen. 

Wir fragen die Experten

Die Landwirtschaftliche Rentenbank finanziert sektorfokussiert Start-ups aus den Bereichen Agrar und Food und baut einen Investmentarm auf, erzählt Lisa Schmitt von der Rentenbank, denn "die Landwirtschaft ist am Ende für das Ernährungssystem verantwortlich". Auch das Global Entrepreneurship Centre (GEC) investiert als Scale-up-Center in nachhaltige Innovationen im Food- und Agrarbereich, erklärt Besan Dahboor-Engels. Das GEC bietet dafür zwei Programm an das factory program und das capitalist program. Alexander von Wedel von den Food Angels ist Business Angel. Zusammen mit vier Partnern gründetet er vor zehn Jahren dieses "Business Angel Mini Netzwerk" – das erste seiner Art, dass den Fokus auf Food setze. Janis Folkmanis berichtet von Turquoise International aus London, bereits lange im Bereich CleanTech aktiv und jetzt auch im Bereich Ag&FoodTech unterwegs. Was zeigt uns das? Unser Food System Change berührt ganz viele Bereiche. Denn "Food ist so ein großes und breites Thema, da kann man ganz ganz viele Dinge subsumieren", meint Alexander. "Es gibt Schnittmengen im Nachhaltigkeitsbereich. Es gibt Schnittmengen in Richtung CleanTech", fügt er hinzu. Unser Food System Change berührt also viele Bereiche. Und auch deswegen ist es auf den ersten Blick auch schwierig zu definieren, welche Investoren und Institutionen für neue Lösungen im Food- bzw. des Agrar-Bereichs die richtigen (strategischen) Partner sind.

Wie viel Geld brauchen Start-ups wirklich?

Start-ups aus der Lebensmittelbranche und der Landwirtschaft stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen, so Besan vom GEC. In der Landwirtschaft sei die Unterstützung noch nicht so groß wie im Food-Bereich. Auch fehlt es oft an einer Vernetzung zwischen Landwirten und Start-ups bzw. den Technologien und dem Feld. Auch verhielten sich Investoren in der Lebensmittel Branche häufig optimistischer, so ihre Beobachtung. In der Landwirtschaft sind die Investoren hingegen eher unerfahren und können Risiken noch nicht so gut einschätzen. Allerdings gibt es auch Investoren wie die Rentenbank, die frühphasige Start-ups im Agrar-Bereich finanziert – bis zu 800.000€, berichtet Lisa. Aber auch sie ist der Meinung, dass sich einiges ändern muss und, dass "Kapital geduldiger werden muss." Denn die Laufzeit klassischer Investmentfonds beträgt in der Regel "nur zehn Jahre" – zu wenig für technologieintensive Innovationen mit langen Entwicklungsphasen, Hardware-Komponenten und zum Teil auch hoher Abhängigkeit von Vegetationsperioden. Der Zeithorizont- und druck für frühe Exists mache manche AgTech und FoodTech Innovationen weniger attraktiv, erklärt sie. Hinzu kommt eine Lücke zwischen dem ersten Funding durch Angels und Folgefinanzierung. Viele Innovationen entstehen in Laufe des Studiums der Gründer:innen an der Uni. Häufig schaffen sie es, mit Business Angels in die erste Finanzierungsrunde zu starten. Dann kommt aber erstmal nichts. An dieser Stelle kommt  das GEC ins Spiel, indem es bis zu 200.000€ in Form von Sachleistungen wie Labore, Anwälte etc. investiert. Doch braucht man wirklich immer so viel Geld? Alexander empfiehlt, erstmal mit kleineren Finanzierungsrunden Ergebnisse zu erzielen, um dann den nächsten Step vorzubereiten. 

"Um die Agri-Food Revolution voranzubringen, müssen wir eigentlich das System Finanzunterstützung ändern"

Start-ups verlassen sich in der allerersten Phase auf staatliche Förderungen und Business Angels, bevor dann VCs einsteigen, so Lisa. VCs seien zwar Risikokapitalgeber, scheuen aber in Deutschland in der Regel die hohen Technologie-Risiken in der Frühphase. In den USA sähe das anders aus, ergänzt sie. Dort sei das Finanzierungssystem bereits fortgeschrittener, wenn auch Europa aufhole. In Deutschland gebe es derzeit dennoch nicht die besten Voraussetzungen, um große Kapitalmengen von beispielsweise Versicherern die Assetklasse Venture Capital zu bekommen. Ein Problem sind dabei auch die regulatorischen Hürden. "Wir müssen da mehr tun", wirft ein Zuschauer ein. Lisa und Alexander können dem nur zustimmen. Dennoch ist Alexander nicht der Meinung, dass wir in Deutschland amerikanische Verhältnisse brauchen. Um an Geld zu kommen "reicht" es, wenn man ein gutes Produkt entwickelt für B2B oder den Endkunden, mit dem man einen Kundenutzen schafft, der am Ende noch einzigartig ist, mein der Business Angel. 

"Europa fehlen große Ambitionen"

Und wie schätzen internationale Start-ups Deutschland und Europa als Keimzelle für AgriFood Innovationen ein? Das GEC richtet sich mit einem Angebot auch an internationale Start-ups, die es im Idealfall bei der Ansiedlung in Deutschland unterstützt. Einige internationale Start-ups habe das GEC bereist interessieren können, berichtet Besan. Zugang zu Kenntnissen und Bildung seien hier die schlagenden Argumente. Doch es gibt eine Ausnahme: Start-ups aus den USA seien schwer für Deutschland als Start-up Nation zu begeistern. Für Janis sind Unterschiede in der Mentalität die größte Hürde: den Sense of Urgency – also große Ambitionen – fänden wir zu wenig bei Start-ups in Europa, meint er. Es seien aber die großen Visionen, die für Finanzierungen und Investitionen notwendig sind – sonst würde es keine Food- oder Agri-Revolution mit deutscher und europäischer Beteiligung geben.


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Geschrieben von

Leonie Kellers

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